20. Juli 2017

Von anderen Städten lernen: So gelingt das klimaneutrale Stadtquartier

Den Energiebedarf von Gebäuden reduziert und die Anlagen zur Bereitstellung erneuerbarer Energien mit Hocheffizienztechnologien intelligent kombiniert - so kann das "klimaneutrale Stadtquartier" der Zukunft gelingen.

So einfach dieses Ergebnis zunächst erscheinen mag: Die Themen, über die die rund 40 Teilnehmer*innen auf der Fachveranstaltung des von der Berliner Energieagentur gesteuerten Berliner NetzwerkE im Deutschen Technikmuseum www.sdtb.de diskutierten, waren viel komplexer: Welche Chancen bieten neue Technologien für die Entwicklung klimaneutraler Neubaugebiete? Welche Herausforderungen sind bei der Umsetzung zu überwinden?

Für die Gäste, Vertreter*innen der Berliner Wohnungswirtschaft, Verwaltung und Projektentwicklung, gab es viel fachlichen Input und wertvolle Erfahrungsberichte aus der Praxis von Energieexperten aus vier deutschen Städten. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem EU-Projekt URBAN LEARNING statt, indem sich Vertreter*innen acht europäischer Städte mit der Optimierung von Prozessen der energetischen Stadtplanung beschäftigen.


Herausforderungen in der Stadtentwicklung

Zur Einführung gab Joachim Sichter von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen einen Überblick über die Ziele und Herausforderungen beim Wohnungsneubau in Berlin: Der starke Zuzug finanzkräftiger Neuberliner, eine immer noch hohe Arbeitslosigkeit und viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse stellen die Stadt vor die große Aufgabe, adäquaten und bezahlbaren Wohnraum für alle Berliner*innen zu schaffen. Im Koalitionsvertrag hat sich das Land deshalb verpflichtet, insgesamt elf Quartiere mit rund 37.000 Geschosswohnungen teilweise zu Modellquartieren für ökologischen Neubau, Nutzungsmischung oder innovative Mobilitätkonzepte zu entwickeln.

Von anderen Städten lernen

Welche Erfahrungen bundesweit mit klimaneutralen Quartieren bereits gemacht wurden, illustrierten die Best Practices der geladenen Referenten. Rüdiger Grimm (geoENERGIE Konzept GmbH aus Freiberg/Sachsen) erläuterte am Beispiel des Ortes Kaiselei in Offenbach/Main, wie Erdwärme auch im mehrstöckigen Neubau erfolgreich eingesetzt werden kann und welche Hürden, z. B. im Genehmigungsverfahren bei der Umsetzung von Projekten im Ländervergleich, bestehen. Dr. Harald Drück vom Institut für Thermodynamik und Wärmetechnik (ITW) an der Universität Stuttgart demonstrierte am Beispiel eines Neubauprojektes auf dem Konversionsgebiet einer ehemaligen Kaserne in Crailsheim (Bayern), wie solarunterstütze Nahwärmeversorgung gelingen kann: Das Wohn- und Mischgebiet mit öffentlichen Einrichtungen wurde zu einem Nahwärmenetz zusammengeschlossen und erreicht nun mithilfe von Sonnenkollektoren auf den Gebäuden und auf einem Lärmschutzwall, einer speziellen Wärmepumpentechnik sowie einem starken, saisonalen Erdsondenwärmespeicher einen solaren Deckungsanteil von bis zu 50 Prozent. Auch das Energieversorgungskonzept der Henninger Stadtgärten in Frankfurt am Main – vorgestellt von Nico Petrick (PEWO Energietechnik GMBH) – begeisterte: Die Energieversorgung der insgesamt 830 Wohneinheiten basiert auf einer Kombination aus Geothermie und Kraft-Wärme-Kopplung. Ein Hoch- und Niedertemperaturnetz garantiert die Wärme- und Kälteversorgung. Das Energiemanagement und die Abrechnung der Betriebskosten erfolgt über eine Cloud.

Wirtschaftliche Lösungen im Fokus

Auch Claudia Alt von der Berliner Energieagentur berichtete von ihren Erfahrungen, die sie bei der Entwicklung von Energiekonzepten für Neubauquartiere in Berlin gemacht hat. Sie erläuterte, warum sich gerade in hochverdichteten Räumen wie Berlin Energieversorgungslösungen mit Kraft-Wärme-Kopplung am wirtschaftlichsten darstellen lassen, und Energieeffizienz und Minimierung des Wärmebedarfs eine wichtige Rolle spielen: Wenn die Ziele des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms tatsächlich erreichen werden sollen, sei dies nur mit (gesetzlich) festgelegten Baumindeststandards wie z. B. dem KfW 55 zu erreichen.

Die Präsentationen der Veranstaltung stehen den Partnern des Berliner NetzwerkE im internen Bereich zum Download zur Verfügung und können auch via E-Mail bei Simone Kleeberger (kleeberger@berliner-e-agentur.de) angefordert werden.


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Mehr als 40 Teilnehmer*innen folgten der Einladung des Berliner NetzwerkE zur Veranstaltung "Energiewende vor Ort: Wege zum klimaneutralen Stadtquartier" in das Deutsche Technikmuseum. Foto: © Berliner NetzwerkE

Sichter© Berliner NetzwerkE
Joachim Sichter von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen gab einen Überblick über die Neubauaktivitäten Berlins. Foto: © Berliner NetzwerkE

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Rüdiger Grimm (geoENERGIE Konzept GmbH) aus Freiberg stellte innovative Erdwärmeprojekte, u.a. die KaiseleiOffenbach/Main vor. Foto: © Berliner NetzwerkE

Drück© Berliner NetzwerkE (2)

Dr. Harald Drück von der Universität Stuttgart stellte ein Projekt mit solarer Nahwärmeversorgung mit saisonalem Wärmespeicher bei solarem Deckungsanteil von bis zu 50 Prozent vor. Foto: © Berliner NetzwerkE

Petrick© Berliner NetzwerkE (2)

Nico Petrick von der PEWO Energietechnik GmbH präsentierte ein Projekt mit Hydraulisch Heizen und Kühlen mit regenerativem Erzeugermix. Foto © Berliner NetzwerkE

Alt© Berliner Netzwerk

Claudia Alt von der Berliner Energieagentur präsentierte unterschiedliche Energiekonzepte für Neubauquartiere in Berlin. Foto: © Berliner NetzwerkE

Publikum_Energiewende-vor-Ort © Berliner NetzwerkE

Die Gäste der Veranstaltung Energiewende vor Ort: Wege zum klimaneutralen Stadtquartier. Foto: © Berliner NetzwerkE

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